Vor kurzem erreichte mich eine Mail, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Sie stammt von meinem neuen Freund Wollo, den ich erst vor kurzem über Email kennengelernt habe. Eigentlich war sie nicht für eine Veröffentlichung gedacht, aber nachdem ich mir einen ablachte, fragte ich ihn, ob ich den Brief auf die homepage stellen darf. Er hat nichts dagegen.
Viel Spaß !


Spanische Fliege
- eine Urlaubsnachlese -

Da ich ja nun mal immer unterwegs bin, hatte der Flug nach Spanien zunächst nichts anderes als den Charakter eines Ortswechsels, wie ich Ihn ständig erlebe. Auch ist mir meist eigentlich sch...egal wo ich denn bin, sofern ich wenigstens meine Grundbedürfnisse nach Essen und Schlafen befriedigen kann.

Als nach 2 Stunden die Wolken beim Landeanflug die Sicht freigaben, war ich mir nicht sicher, ob die Maschine nicht heimlich in die Golfstaaten entführt worden ist. So hoffnungslos gelb und öde konnte Spanien doch nicht sein, und was sind das bloß für lauter blaue Sprengsel im Nichts ? Aha ! Des Spaniers Penisverlängerung ist nicht wie gewohnt das Auto, sondern der Pool im Garten.

Auf der Fahrt von Alicante zu Mike´s Haus versetzten mich dann rechts und links der Piste liegende Müll- und Schuttberge in Bananen-Repuplik-Gefühle. Die legten sich wieder, als ich merkte, daß hier die erste Fremdsprache nach Deutsch Spanisch ist. Willkommen im Altersheim für Wohlbetuchte, jedenfalls traf ich Leute, die dort lebten und so gut wie nix an Spanisch konnten. Wozu auch, wenn um die Ecke der deutsche Metzger, Bäcker, Frisör usw... zu finden sind...
Mit Englisch haben´s die Spanier nich so doll, so daß ich, wenn ich denn mal mit Eingeborenen reden wollte oder mußte, ziemlich schlecht dran war.

Jedenfalls war ich doch erstaunt, daß selbst soweit im Süden alles fest von Deutschen annektiert ist und vor allem bei mehr als 2000 km soviele mit dem eigenen Auto da sind.

Die Tage gingen sich denn auch lau an. Tagsüber waren wir meist Tauchen, was incl. Bootsfahrt und Siesta so um die 10 Stunden dauerte. Nach dem Tauchen war man dann allerseits ziemlich müde. Einer der Taucher mußte den Kahn dann heimschippern, da sich der Kapitän lieber mit den anderen auf dem Vorderdeck einem Nickerchen hingab.

Wie ich bei einer dieser Gelegenheiten so auf´s Meer hinausblinzel, kommt es mir doch komisch, daß sich ein Stück vor uns die Wellen zu brechen scheinen. Einer Ahnung zufolge winke ich dem provisorischen Steuermann zu, den Speed ein paar Knoten zu drosseln und wecke den Kapitän mit dem Hinweis "Riff auf 12 Uhr !"

Schlaftrunken bestätigt dieser die Prognose und gibt Anweisung, um 90 Grad nach Steuerbord abzudrehen. Vielleicht hätte er sich vorher mal umgucken sollen, denn im nächsten Augenblick hatte er seinen neuen Spitznamen TITANIC-Hermann. Dann entwich seiner rauhen Kehle ein schriller Schrei, als sein Trog mit lautem Ächzen und Kratzen auf dem nebenan liegendem Riff zum Stehen kam, gefolgt vom Poltern der hinten von den Bänken gerissenen schlafenden Passagiere. Hätte ich dann doch nicht gedacht, daß wir 9 Leute sein fettes Boot unter 1 ... 2 ... Pull... vom Riff wieder runterkriegen.
Hinterher wußten dann aber alle, welche Zahlen am Echolot-Monitor die Tiefe unter Kiel sind, wie der Kompaß zu lesen geht und ganz wichtig, wo man die Lenzpumpe einschaltet.
30 Minuten später lag er wieder vorne neben mir und pennte mit einer Seelenruhe.

So furztrocken das Land war, so wenig Mücken gab es. Licht an, Fenster auf, kein Problem. Da nachts die Temperaturen nicht unter 25 Grad sanken, war dies echt angenehm.
Unangenehm war, daß hier jeder Arsch einen Köter oder auch zwei hat. Daß selbst einem Tierliebhaber wie mir Träume von vergifteten Würsten durch den Halbschlaf gehen, kann nur verstehen, wer die Bell-Wellen erlebt hat, die die Costa Blanca nachts rauf und runter gehen.

Daß die Uhren hier anders gehen, weiß der Pauschaltourist spätestens, wenn er nachts um 1 die spanischen Nachbarskinder im Vorschulalter darum bittet, doch den Pool etwas leiser zu benutzen.
Ein Tanzlokalbesuch ist denn auch vor 2 Uhr nicht anzuraten, wenn man sich nicht ins Bravo-Alter zurückversetzt fühlen möchte.

Zu erwähnen bleiben noch die nahegelegenen Salz-Gewinnungs-Seen, in welchen man Meerwasser auf riesigen Flächen einfach verdunsten läßt und das Salz dann abfräst.
Die Brühe ist so wunderbar salzig, daß sie sich ölig zwischen den Fingern anfühlt.
Der Auftrieb,den der Badende hier erfährt, ist einfach unglaublich, so daß man sich korkenleicht fühlt und völlig entspannt dahintreiben kann, während höchstens zwei Drittel des Körpers unter Wasser sind. 15 cm Wassertiefe reichen völlig, um wie von Geisterhand zu schwimmen. Außerdem ist die Soße sicher an die 50 Grad warm, was ein Baden nach Sonnenuntergang empfiehlt.
Sollte doch aus Unachtsamkeit ein Spritzerchen ins Auge kommen, ist´s mit der Entspannung erstmal Essig. Selbst der kleinste Ritzer in der Haut läßt Freude aufkommen.

So nebenbei bin ich dann noch unter die "Digger" geraten und das kam so.... TITANIC-Hermann bestellte sich für seinen auf´s Akkurateste gepflegten Garten eine Ladung Zierkies, wie ihn die Omas auch gerne auf Opas Grab geben. Beim Auftragen der kleinen weißen Steinchen bemerkte er bei einigen Kieseln Einschlüsse von Metall. Ein ansässiger Juwelier bestätigte ihm, daß es sich um Gold handelt.
Ein Nachmittag pulen brachte denn auch ein Einweckglas voll zu Tage, welches er für rund 350 Mark zu veräußern wußte.
Da Hermann´s Augen wie bereits erwähnt nicht immer die schärfsten sind, gaben wir uns dann und wann der Muße hin, getrieben vom Klondikefieber seinen Garten zu zerwühlen.
Sollte ich´s mal brauchen, so gibt´s vielleicht für die Beißwerkzeuge eine Zahnfüllung.

Nächstes Jahr werde ich vielleicht wieder hinfahren, zumal ich ein Angebot bekommen habe, bei TITANIC Hermann als Tauchassistent zu arbeiten, wenn man da überhaupt von Arbeit sprechen kann.

Außerdem kann ich schon auf Spanisch bis Zehn zählen, wäre doch schade um die verschwendete Mühe.

Gruß Wollo